Wahrscheinlichkeit: Normalverteilung und Stetige Zufallsvariablen: Unterschied zwischen den Versionen
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= Grundbegriffe für stetige Zufallsvariablen = | = Grundbegriffe für stetige Zufallsvariablen = | ||
[[Datei:Dichtefkt.png|300px|miniatur|rechts]] | [[Datei:Dichtefkt.png|300px|miniatur|rechts]] | ||
| − | Nun beschäftigen wir uns mit Zufallsvariablen, die jeden Wert in einem bestimmten [[Zahlenmengen| reellen]] Intervall annehmen können, z.B. alle Werte zwischen 2.5 und 10. Dies sind sogenannte '''stetige Zufallsvariablen'''. Sie werden verwendet, um zum Beispiel Körpergrößen, Gewicht, Lebensdauer oder Wartedauer in einer Schlange zu beschreiben. | + | Nun beschäftigen wir uns mit Zufallsvariablen, die jeden Wert in einem bestimmten [[Zahlenmengen| reellen]] Intervall annehmen können, z. B. alle Werte zwischen $2.5$ und $10$. Dies sind sogenannte '''stetige Zufallsvariablen'''. Sie werden verwendet, um zum Beispiel Körpergrößen, Gewicht, Lebensdauer oder Wartedauer in einer Schlange zu beschreiben. |
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== Dichtefunktion == | == Dichtefunktion == | ||
| − | Anstelle der Wahrscheinlichkeitsfunktion P für [[Wahrscheinlichkeit:_Diskrete_Zufallsvariablen_und_die_Binomialverteilung| diskrete Zufallsvariablen]], definiert man für stetige Zufallsvariablen die Dichtefunktion f. | + | Anstelle der Wahrscheinlichkeitsfunktion $P$ für [[Wahrscheinlichkeit:_Diskrete_Zufallsvariablen_und_die_Binomialverteilung| diskrete Zufallsvariablen]], definiert man für stetige Zufallsvariablen die Dichtefunktion $f$. |
{{Vorlage:Definition|1=Die Dichtefunktion $f$ ist eine Funktion mit den Eigenschaften: | {{Vorlage:Definition|1=Die Dichtefunktion $f$ ist eine Funktion mit den Eigenschaften: | ||
* Die [[Funktionen#tab=Definition_einer_Funktion|Funktionswerte]] von $f$ sind immer positiv: | * Die [[Funktionen#tab=Definition_einer_Funktion|Funktionswerte]] von $f$ sind immer positiv: | ||
$$f(x)\geq 0 $$ und | $$f(x)\geq 0 $$ und | ||
| − | * die Fläche unterhalb der Dichtefunktion ist 1 | + | * die Fläche unterhalb der Dichtefunktion ist $1$ |
$$\int_{-\infty}^{+\infty} f(x)\cdot dx=1$$ }} | $$\int_{-\infty}^{+\infty} f(x)\cdot dx=1$$ }} | ||
| − | Der Grund, warum man nicht die [[Wahrscheinlichkeit:_Diskrete_Zufallsvariablen_und_die_Binomialverteilung#Wahrscheinlichkeits-_und_Verteilungsfunktion| Wahrscheinlichkeitsfunktion $P$]] verwendet, liegt darin, dass stetige Zufallsvariablen unendlich viele (und überabzählbar viele) Werte haben und die Wahrscheinlichkeit, dass ein ganz bestimmter Wert | + | Der Grund, warum man nicht die [[Wahrscheinlichkeit:_Diskrete_Zufallsvariablen_und_die_Binomialverteilung#Wahrscheinlichkeits-_und_Verteilungsfunktion| Wahrscheinlichkeitsfunktion $P$]] verwendet, liegt darin, dass stetige Zufallsvariablen unendlich viele (und überabzählbar viele) Werte haben und die Wahrscheinlichkeit, dass ein ganz bestimmter Wert auftritt, gleich $0$ ist. |
{| class="wikitable" | {| class="wikitable" | ||
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Mithilfe der Dichtefunktion definieren wir nun (ähnlich wie bei den [[Wahrscheinlichkeit:_Diskrete_Zufallsvariablen_und_die_Binomialverteilung#Wahrscheinlichkeits-_und_Verteilungsfunktion|diskreten Zufallsvariablen]]) die ... | Mithilfe der Dichtefunktion definieren wir nun (ähnlich wie bei den [[Wahrscheinlichkeit:_Diskrete_Zufallsvariablen_und_die_Binomialverteilung#Wahrscheinlichkeits-_und_Verteilungsfunktion|diskreten Zufallsvariablen]]) die ... | ||
[[Datei:Verfkt2.png|miniatur|400px|Die Fläche kann als Wahrscheinlichkeit interpretiert werden: $$P(X\leq 2.5)=\int_{-\infty}^{2.5} f(x)\cdot dx=0.72$$ ]] | [[Datei:Verfkt2.png|miniatur|400px|Die Fläche kann als Wahrscheinlichkeit interpretiert werden: $$P(X\leq 2.5)=\int_{-\infty}^{2.5} f(x)\cdot dx=0.72$$ ]] | ||
| − | {{Vorlage:Definition|1=Verteilungsfunktion F | + | {{Vorlage:Definition|1=Verteilungsfunktion $F$ |
$$F(x)=P(X\leq x)= \int_{-\infty}^{x} f(t)\cdot dt$$ | $$F(x)=P(X\leq x)= \int_{-\infty}^{x} f(t)\cdot dt$$ | ||
Sie gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass $X$ einen Wert $\leq x$ annimmt. | Sie gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass $X$ einen Wert $\leq x$ annimmt. | ||
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[[Datei:Verfkt2b.png|400px|miniatur|rechts|$$P(1\leq X\leq 2.5)=\int_{1}^{2.5} f(x)\cdot dx=0.65$$]] | [[Datei:Verfkt2b.png|400px|miniatur|rechts|$$P(1\leq X\leq 2.5)=\int_{1}^{2.5} f(x)\cdot dx=0.65$$]] | ||
| − | {{Vorlage:Merke|1= Die Wahrscheinlichkeit, dass die stetige ZV $X$ einen Wert im Intervall [a;b] annimmt, entspricht der Fläche unter der Dichtefunktion zwischen den Grenzen a und b: | + | {{Vorlage:Merke|1= Die Wahrscheinlichkeit, dass die stetige ZV $X$ einen Wert im Intervall $[a;b]$ annimmt, entspricht der Fläche unter der Dichtefunktion zwischen den Grenzen $a$ und $b$: |
$$P(a\leq X\leq b)= \int_{a}^{b} f(x)\cdot dx = F(b)-F(a)$$ | $$P(a\leq X\leq b)= \int_{a}^{b} f(x)\cdot dx = F(b)-F(a)$$ | ||
}} | }} | ||
Hinweis: | Hinweis: | ||
| − | * Die Wahrscheinlichkeit, dass $X$ einen bestimmten Wert $a$ annimmt ist 0, da: | + | * Die Wahrscheinlichkeit, dass $X$ einen bestimmten Wert $a$ annimmt ist $0$, da: |
$$P(a\leq X\leq a)= \int_{a}^{a} f(x)\cdot dx = F(a)-F(a)=0$$ | $$P(a\leq X\leq a)= \int_{a}^{a} f(x)\cdot dx = F(a)-F(a)=0$$ | ||
* $P(X\leq a)=P(X<a)$ | * $P(X\leq a)=P(X<a)$ | ||
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| Graph | | Graph | ||
| − | | [[Datei:Dichtefkt 1 mit m und s.png|300px|miniatur|zentriert|1. Dichtefunktion. Eingezeichnet ist der Erwartungswert $\mu$ und die sogenannte $\sigma | + | | [[Datei:Dichtefkt 1 mit m und s.png|300px|miniatur|zentriert|1. Dichtefunktion. Eingezeichnet ist der Erwartungswert $\mu$ und die sogenannte $\sigma$-Umgebung.]] |
| − | | [[Datei:Dichtefkt2mMuS.png|300px|miniatur|zentriert|1. Dichtefunktion. Eingezeichnet ist der Erwartungswert $\mu$ und die sogenannte $\sigma | + | | [[Datei:Dichtefkt2mMuS.png|300px|miniatur|zentriert|1. Dichtefunktion. Eingezeichnet ist der Erwartungswert $\mu$ und die sogenannte $\sigma$-Umgebung.]] |
|} | |} | ||
| − | Wichtig: Während beide Zufallsvariablen über denselben Erwartungswert verfügen ($\mu=2$), unterscheiden sie sich in ihrer Standardabweichung. Die Zufallsvariable mit der Dichtefunktion 1 weist eine höhere Streuung auf als jene Zufallsvariable mit Dichtefunktion 2. | + | Wichtig: Während beide Zufallsvariablen über denselben Erwartungswert verfügen ($\mu=2$), unterscheiden sie sich in ihrer Standardabweichung. Die Zufallsvariable mit der Dichtefunktion 1 weist eine höhere Streuung auf als jene Zufallsvariable mit der Dichtefunktion 2. |
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{{Vorlage:Video|1=_rVt6qTkea8}} | {{Vorlage:Video|1=_rVt6qTkea8}} | ||
| − | [[Datei:Dichtefkt-mit Gleichung.png|400px|miniatur|rechts|Dichtefunktion einer $N(\mu ;\sigma ) | + | [[Datei:Dichtefkt-mit Gleichung.png|400px|miniatur|rechts|Dichtefunktion einer $N(\mu ;\sigma )$-verteilten Zufallsvariable. ]] |
{{Vorlage:Definition|1= Eine stetige Zufallsvariable ist '''normalverteilt mit Erwartungswert $\mu$ und Standardabweichung $\sigma$ (kurz: $N(\mu ;\sigma)$-verteilt)''', wenn für die Dichtefunktion $f$ gilt: | {{Vorlage:Definition|1= Eine stetige Zufallsvariable ist '''normalverteilt mit Erwartungswert $\mu$ und Standardabweichung $\sigma$ (kurz: $N(\mu ;\sigma)$-verteilt)''', wenn für die Dichtefunktion $f$ gilt: | ||
$$ f(x)=\frac{1}{\sqrt{2\pi}\cdot \sigma}\cdot e^{\frac{1}{2}\cdot (\frac{x-\mu}{\sigma})^2}$$}} | $$ f(x)=\frac{1}{\sqrt{2\pi}\cdot \sigma}\cdot e^{\frac{1}{2}\cdot (\frac{x-\mu}{\sigma})^2}$$}} | ||
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* Die Glockenkurve ist symmetrisch zum Erwartungswert $\mu$, bei dem Sie auch ihren einzigen Hochpunkt hat. | * Die Glockenkurve ist symmetrisch zum Erwartungswert $\mu$, bei dem Sie auch ihren einzigen Hochpunkt hat. | ||
* Die beiden Wendepunkte der Glockenkurve befinden sich bei $\mu -\sigma$ und $\mu +\sigma$ | * Die beiden Wendepunkte der Glockenkurve befinden sich bei $\mu -\sigma$ und $\mu +\sigma$ | ||
| − | * Im Intervall $[\mu -\sigma ; \mu -\sigma]$ befinden sich ca. 68 % aller Werte. | + | * Im Intervall $[\mu -\sigma ; \mu -\sigma]$ befinden sich ca. $68 \%$ aller Werte. |
| − | * Die Glockenkurve nähert sich [[Asymptote|asymptotisch]] der x-Achse an und es gilt | + | * Die Glockenkurve nähert sich [[Asymptote|asymptotisch]] der $x$-Achse an und es gilt |
$$\lim_{x\rightarrow \pm \infty} f(x) =0$$ | $$\lim_{x\rightarrow \pm \infty} f(x) =0$$ | ||
* Die Dichtefunktion erfüllt alle wichtigen Eigenschaften einer Dichtefunktion: | * Die Dichtefunktion erfüllt alle wichtigen Eigenschaften einer Dichtefunktion: | ||
| − | :: $f(x)\geq 0 $ und | + | :: $f(x)\geq 0$ und |
| − | :: $\int_{-\infty}^{+\infty} f(x)\cdot dx=1$ (d.h. die Fläche unterhalb der Dichtefunktion ist 1). | + | :: $\int_{-\infty}^{+\infty} f(x)\cdot dx=1$ (d. h. die Fläche unterhalb der Dichtefunktion ist $1$). |
| − | Die Normalverteilung ist deshalb so wichtig, da es in der Natur und im Alltag sehr viele | + | Die Normalverteilung ist deshalb so wichtig, da es in der Natur und im Alltag sehr viele Zufallsvariablen gibt, die eine solche Verteilung aufweisen und somit eine Dichtefunktion besitzen, deren Graph glockenförmig ist. |
{{Vorlage:Merke|1=Die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten erfolgt über die Berechnung der Fläche unterhalb der Dichtefunktion. | {{Vorlage:Merke|1=Die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten erfolgt über die Berechnung der Fläche unterhalb der Dichtefunktion. | ||
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$$F(x)=P(X\leq x)=\int_{-\infty}^{x} \frac{1}{\sqrt{2\pi}\cdot \sigma}\cdot e^{\frac{1}{2}\cdot (\frac{t-\mu}{\sigma})^2}\cdot dt$$ | $$F(x)=P(X\leq x)=\int_{-\infty}^{x} \frac{1}{\sqrt{2\pi}\cdot \sigma}\cdot e^{\frac{1}{2}\cdot (\frac{t-\mu}{\sigma})^2}\cdot dt$$ | ||
| − | Die Berechnung dieses Integrals erfolgt in der Regel mithilfe des | + | Die Berechnung dieses Integrals erfolgt in der Regel mithilfe des Taschenrechners bzw. mit GeoGebra.}} |
Das folgende [http://www.geogebra.org/material/show/id/e2Ppkaj9#share-popup Applet von Lindner] zeigt dir die wichtigsten Eigenschaften der Glockenkurve: | Das folgende [http://www.geogebra.org/material/show/id/e2Ppkaj9#share-popup Applet von Lindner] zeigt dir die wichtigsten Eigenschaften der Glockenkurve: | ||
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{{Vorlage:Merke|1= | {{Vorlage:Merke|1= | ||
$\\ $ | $\\ $ | ||
| − | # Ändert sich der Erwartungswert $\mu$ so wandert die Glockenkurve nach links oder rechts. | + | # Ändert sich der Erwartungswert $\mu$, so wandert die Glockenkurve nach links oder rechts. |
# Ändert sich die Standardabweichung $\sigma$, so ändern sich zwei Sachen: | # Ändert sich die Standardabweichung $\sigma$, so ändern sich zwei Sachen: | ||
:: a) die Glockenkurve wird breiter. | :: a) die Glockenkurve wird breiter. | ||
| − | :: b) die Glockenkurve wird flacher, da die Fläche unter der Kurve 1 bleiben muss. | + | :: b) die Glockenkurve wird flacher, da die Fläche unter der Kurve $1$ bleiben muss. |
}} | }} | ||
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== $\sigma$-Umgebungen == | == $\sigma$-Umgebungen == | ||
| − | Für jede normalverteilte | + | Für jede normalverteilte Zufallsvariable $X$ gilt, dass die $\sigma$-Bereiche um den Erwartungswert $\mu$ eine konstante Fläche beinhalten. |
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| − | |[[Datei:Sigma-Umgebung1.png|300px|miniatur|zentriert|$P(\mu-\sigma\leq X\leq \mu +\sigma)\approx 68.3 | + | |[[Datei:Sigma-Umgebung1.png|300px|miniatur|zentriert|$P(\mu-\sigma\leq X\leq \mu +\sigma)\approx 68.3\%$]] |
| − | |[[Datei:Sigma2.png|300px|miniatur|zentriert|$P(\mu-2\sigma\leq X\leq \mu +2\sigma)\approx 95.4 | + | |[[Datei:Sigma2.png|300px|miniatur|zentriert|$P(\mu-2\sigma\leq X\leq \mu +2\sigma)\approx 95.4\%$]] |
| − | |[[Datei:Sigma3.png|300px|miniatur|zentriert|$P(\mu-3\sigma\leq X\leq \mu +3\sigma)\approx 99.73 | + | |[[Datei:Sigma3.png|300px|miniatur|zentriert|$P(\mu-3\sigma\leq X\leq \mu +3\sigma)\approx 99.73\%$]] |
|} | |} | ||
<!-- $$P(\mu -z\cdot \sigma\leq X \leq \mu +z\cdot \sigma)=\Phi (z)-\Phi(-z)=\Phi (z)-(1-\Phi (z))=2\cdot \Phi (z) - 1$$ | <!-- $$P(\mu -z\cdot \sigma\leq X \leq \mu +z\cdot \sigma)=\Phi (z)-\Phi(-z)=\Phi (z)-(1-\Phi (z))=2\cdot \Phi (z) - 1$$ | ||
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== Binomial- und Normalverteilung == | == Binomial- und Normalverteilung == | ||
| − | Die Binomialverteilung kann durch die Normalverteilung angenähert werden. Graphisch ist dies gut erkennbar: Je symmetrischer die Wahrscheinlichkeitsfunktion der Binomialverteilung ist und umso größer der Stichprobenumfang $n$ (d.h. die Anzahl der Balken), desto ähnlicher wird die Wahrscheinlichkeitsfunktion der Binomialverteilung der Glockenkurve der Normalverteilung. | + | Die Binomialverteilung kann durch die Normalverteilung angenähert werden. Graphisch ist dies gut erkennbar: Je symmetrischer die Wahrscheinlichkeitsfunktion der Binomialverteilung ist und umso größer der Stichprobenumfang $n$ (d. h. die Anzahl der Balken), desto ähnlicher wird die Wahrscheinlichkeitsfunktion der Binomialverteilung der Glockenkurve der Normalverteilung. |
Bild | Bild | ||
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==Verteilungsfunktion einer Normalverteilung == | ==Verteilungsfunktion einer Normalverteilung == | ||
| − | [[Datei:verteilungsfkt-normalv-graph.png|thumb|right|300px|Graph der Verteilungsfunktion einer normalverteilten Zufallsvariable X]] | + | [[Datei:verteilungsfkt-normalv-graph.png|thumb|right|300px|Graph der Verteilungsfunktion einer normalverteilten Zufallsvariable $X$]] |
| − | Wir haben oben schon gelernt, dass die Wahrscheinlichkeit der Fläche unter der Dichtefunktion entspricht. D.h. Sei f die Dichtefunktion einer normalverteilten Zufallsvariable $X$. Dann gilt für die Wahrscheinlichkeit $P(X\leq x)$ (d.h. die Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsvariable X einen Wert kleiner oder gleich x annimmt):$$P(X\leq x)=\int_{-\infty}^{x} f(x)\cdot dx$$ | + | Wir haben oben schon gelernt, dass die Wahrscheinlichkeit der Fläche unter der Dichtefunktion entspricht. D. h. Sei $f$ die Dichtefunktion einer normalverteilten Zufallsvariable $X$. Dann gilt für die Wahrscheinlichkeit $P(X\leq x)$ (d. h. die Wahrscheinlichkeit, dass die Zufallsvariable $X$ einen Wert kleiner oder gleich $x$ annimmt):$$P(X\leq x)=\int_{-\infty}^{x} f(x)\cdot dx$$ |
| − | Dieses Integral können wir nun als Funktion interpretieren, die uns für jedes x die Fläche unter der Glockenkurve links von x angibt. D.h.: | + | Dieses Integral können wir nun als Funktion interpretieren, die uns für jedes $x$ die Fläche unter der Glockenkurve links von $x$ angibt. D. h.: |
$$G(x)=\int_{-\infty}^{x} f(x)\cdot dx$$ | $$G(x)=\int_{-\infty}^{x} f(x)\cdot dx$$ | ||
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Die '''Verteilungsfunktion $G$''' mit | Die '''Verteilungsfunktion $G$''' mit | ||
$$G(X)=P(X\leq x)=\int_{-\infty}^{x} f(x)\cdot dx$$ | $$G(X)=P(X\leq x)=\int_{-\infty}^{x} f(x)\cdot dx$$ | ||
| − | gibt die Wahrscheinlichkeit $P(X\leq x)$ für einen beliebigen Wert x an. | + | gibt die Wahrscheinlichkeit $P(X\leq x)$ für einen beliebigen Wert $x$ an. |
}} | }} | ||
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{{Vorlage:Merke|1= | {{Vorlage:Merke|1= | ||
$\\ $ | $\\ $ | ||
| − | * Die Verteilungsfunktion ist streng monoton steigend | + | * Die Verteilungsfunktion ist streng monoton steigend. |
| − | * Die Verteilungsfunktion konvergiert gegen den Wert 1, da auch die Fläche unter der Glockenkurve gegen 1 konvergiert. | + | * Die Verteilungsfunktion konvergiert gegen den Wert $1$, da auch die Fläche unter der Glockenkurve gegen $1$ konvergiert. |
* Bei $\mu$ hat die Verteilungsfunktion immer den Wert $0.5$, da $P(x\leq \mu)=0.5$. | * Bei $\mu$ hat die Verteilungsfunktion immer den Wert $0.5$, da $P(x\leq \mu)=0.5$. | ||
}} | }} | ||
== Beispiele == | == Beispiele == | ||
| − | In einer Fabrik wird Senf in Gläser zu 250 g verpackt. Vom Hersteller der Füllmaschine wird der Senffabrik nahegelegt, den Sollwert (Mittelwert $\mu$) auf | + | In einer Fabrik wird Senf in Gläser zu $250 g$ verpackt. Vom Hersteller der Füllmaschine wird der Senffabrik nahegelegt, den Sollwert (Mittelwert $\mu$) auf $265 g$ einzustellen. Dabei ergibt sich eine mittlere Abweichung $\sigma=10 g$. |
<div class="toccolours mw-collapsible mw-collapsed" style="width:800px"> | <div class="toccolours mw-collapsible mw-collapsed" style="width:800px"> | ||
| − | <span style="color:#A020F0> a) '''Wahrscheinlichkeit rechts von $\mu$ berechnen:''' Wie viele Gläser enthalten mehr als 280 g Senf? </span> | + | <span style="color:#A020F0> a) '''Wahrscheinlichkeit rechts von $\mu$ berechnen:''' Wie viele Gläser enthalten mehr als $280 g$ Senf? </span> |
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| − | Die Variable $X$ ist $N(265;10) | + | Die Variable $X$ ist $N(265;10)$-verteilt und gibt die Füllmenge in Gramm (g) an. |
{| border="1" align="center" | {| border="1" align="center" | ||
! GeoGebra / Graph !! Ti-8X !! Per Hand / Tabelle | ! GeoGebra / Graph !! Ti-8X !! Per Hand / Tabelle | ||
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$$=1-0,93319=0.06681$$ | $$=1-0,93319=0.06681$$ | ||
|} | |} | ||
| − | Die Wahrscheinlichkeit $P(X> 280)$ beträgt 6.681% | + | Die Wahrscheinlichkeit $P(X> 280)$ beträgt $6.681\%$. |
</div> | </div> | ||
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<div class="toccolours mw-collapsible mw-collapsed" style="width:800px"> | <div class="toccolours mw-collapsible mw-collapsed" style="width:800px"> | ||
| − | <span style="color:#A020F0> b) '''Wahrscheinlichkeit links von $\mu$ berechnen:''' Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ein Glas weniger als 250 g enthält? </span> | + | <span style="color:#A020F0> b) '''Wahrscheinlichkeit links von $\mu$ berechnen:''' Berechnen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass ein Glas weniger als $250 g$ enthält? </span> |
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| Zeile 316: | Zeile 316: | ||
$$=1-0,93319=0.06681 $$ | $$=1-0,93319=0.06681 $$ | ||
|} | |} | ||
| − | Die Wahrscheinlichkeit $P(X<250)$ beträgt ebenfalls 6.681%. Auf dieses Ergebnis hätten wir auch einfacher kommen können, da 280 und 250 gleich weit von $\mu= | + | Die Wahrscheinlichkeit $P(X<250)$ beträgt ebenfalls $6.681\%$. Auf dieses Ergebnis hätten wir auch einfacher kommen können, da $280$ und $250$ gleich weit von $\mu=265$ entfernt sind und aufgrund der Symmetrie der Normalverteilung erhalten wir dasselbe Ergebnis. |
</div> | </div> | ||
| Zeile 326: | Zeile 326: | ||
<div class="toccolours mw-collapsible mw-collapsed" style="width:800px"> | <div class="toccolours mw-collapsible mw-collapsed" style="width:800px"> | ||
| − | <span style="color:#A020F0> c) '''Wahrscheinlichkeit in einem bestimmten Bereich:''' Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Glas zwischen 250 g und 270 g enthält? </span> | + | <span style="color:#A020F0> c) '''Wahrscheinlichkeit in einem bestimmten Bereich:''' Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Glas zwischen $250 g$ und $270 g$ enthält? </span> |
<div class="mw-collapsible-content"> | <div class="mw-collapsible-content"> | ||
| Zeile 352: | Zeile 352: | ||
<div class="toccolours mw-collapsible mw-collapsed" style="width:800px"> | <div class="toccolours mw-collapsible mw-collapsed" style="width:800px"> | ||
| − | <span style="color:#A020F0> d) '''Ermitteln eines symmetrischen | + | <span style="color:#A020F0> d) '''Ermitteln eines symmetrischen Intervalls um $\mu$:''' In welchem symmetrischen Bereich um den Mittelwert liegen $80\%$ der Gläser? </span> |
<div class="mw-collapsible-content"> | <div class="mw-collapsible-content"> | ||
| − | Hier wird jetzt die Umkehrung gebraucht. Die Wahrscheinlichkeit ist bekannt und die x-Werte sind gesucht (vorher war es immer umgekehrt). | + | Hier wird jetzt die Umkehrung gebraucht. Die Wahrscheinlichkeit ist bekannt und die $x$-Werte sind gesucht (vorher war es immer umgekehrt). |
[[Datei:Bsp-d2.png|350px|miniatur|rechts]] | [[Datei:Bsp-d2.png|350px|miniatur|rechts]] | ||
| − | Gesucht ist $P(\mu -k \leq X\leq \mu + k)=0.8$ | + | Gesucht ist $P(\mu -k \leq X\leq \mu + k)=0.8$ (siehe Grafik) |
| − | Somit müssen zwischen $\mu$ und $\mu +k$ insgesamt 40% aller Werte liegen (40% sind links und 40% sind rechts von $\mu$ ). | + | Somit müssen zwischen $\mu$ und $\mu +k$ insgesamt $40\%$ aller Werte liegen ($40\%$ sind links und $40\%$ sind rechts von $\mu$ ). |
| − | Insgesamt liegen dann $50+40=90 | + | Insgesamt liegen dann $50+40=90\%$ links von $\mu+k$ (d. h. $P(X\leq \mu+k)=0.9$). Mit dieser Überlegung können wir nun $k$ bestimmen: |
{| border="1" align="center" | {| border="1" align="center" | ||
| Zeile 400: | Zeile 400: | ||
<div class="toccolours mw-collapsible mw-collapsed" style="width:800px"> | <div class="toccolours mw-collapsible mw-collapsed" style="width:800px"> | ||
| − | <span style="color:#A020F0> e) '''Ermitteln von $\mu$ bei bekannter Wahrscheinlichkeit:''' Welchen Mittelwert | + | <span style="color:#A020F0> e) '''Ermitteln von $\mu$ bei bekannter Wahrscheinlichkeit:''' Welchen Mittelwert $\mu$ könnte die Senffirma einstellen, wenn sie $10\%$ untergewichtigen Ausschuss toleriert? </span> |
<div class="mw-collapsible-content"> | <div class="mw-collapsible-content"> | ||
| − | $\mu=$? | + | $\mu=$? und $\sigma=10$. Gesucht ist, für welches $\mu$ gilt $P(X\leq 250)=0.10$. |
{| border="1" align="center" | {| border="1" align="center" | ||
! GeoGebra !! Ti-8X !! Per Hand / Tabelle | ! GeoGebra !! Ti-8X !! Per Hand / Tabelle | ||
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| Dies berechnet man am besten mithilfe des CAS: | | Dies berechnet man am besten mithilfe des CAS: | ||
| − | $$Normal[ | + | $$Normal[\mu, 10, 250]=0.1\rightarrow \mu=262.82$$ |
| Dies berechnet man am besten mithilfe des Solve-Befehls: | | Dies berechnet man am besten mithilfe des Solve-Befehls: | ||

