Wahrscheinlichkeit: Normalverteilung und Stetige Zufallsvariablen

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Dichtefkt.png

Nun beschäftigen wir uns mit Zufallsvariablen, die jeden Wert in einem bestimmten reellen Intervall annehmen können, z.B. alle Werte zwischen 2.5 und 10. Dies sind sogenannte stetige Zufallsvariablen. Sie werden verwendet, um zum Beispiel Körpergrößen, Gewicht, Lebensdauer oder Wartedauer in einer Schlange zu beschreiben.


Grundbegriffe für stetige Zufallsvariablen

Dichtefunktion

Anstelle der Wahrscheinlichkeitsfunktion P für diskrete Zufallsvariablen, definiert man für stetige Zufallsvariablen die Dichtefunktion f.


Definition
Grün rufezeichen.png
Die Dichtefunktion $f$ ist eine Funktion mit den Eigenschaften:

$$f(x)\geq 0 $$ und

  • die Fläche unterhalb der Dichtefunktion ist 1

$$\int_{-\infty}^{+\infty} f(x)\cdot dx=1$$


Der Grund, warum man nicht die Wahrscheinlichkeitsfunktion $P$ verwendet, liegt darin, dass stetige Zufallsvariablen unendlich viele (und überabzählbar viele) Werte haben und die Wahrscheinlichkeit, dass ein ganz bestimmter Wert gezogen wird gleich 0 ist.

1. Beispiel einer Dichtefunktion 2. Beispiel einer Dichtefunktion
Dichtefkt 1.png
Dichtefkt 2.png
$$f(x)\geq 0$$ und $$\int_{-\infty}^{\infty} f(x)\cdot dx=\int_{0}^{4} \frac{1}{4}=1$$ $$f(x)\geq $$ und $$\int_{-\infty}^{\infty} f(x)\cdot dx=\int_{0}^{2} \frac{1}{4}x\cdot dx + \int_{2}^{4} -\frac{1}{4}x\cdot dx=\frac{1}{2}+\frac{1}{2}=1$$

Verteilungsfunktion

Mit Hilfe der Dichtefunktion definieren wir nun (ähnlich wie bei den diskreten Zufallsvariablen) die ...

Die Fläche kann als Wahrscheinlichkeit interpretiert werden: $$P(X\leq 2.5)=\int_{-\infty}^{2.5}=0.72$$
Definition
Grün rufezeichen.png
Verteilungsfunktion F

$$F(x)=P(X\leq x)= \int_{-\infty}^{x} f(t)\cdot dt$$ Sie gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass $X$ einen Wert $\leq x$ annimmt.




Wichtig: Die Funktionswerte der Dichtefunktion $f(x)$ geben NICHT die Wahrscheinlichkeit $P(X=x)$ an. Bei stetigen Zufallsvariablen können wir nur die Wahrscheinlichkeit dafür angeben, dass $X$ Werte in einem bestimmten Intervall annimmt.



$$P(1\leq X\leq 2.5)=\int_{1}^{2.5} f(x)\cdot dx=0.65$$
Merke
Rotes rufezeichen.png
Die Wahrscheinlichkeit, dass die stetige ZV $X$ einen Wert im Intervall [a;b] annimmt, entspricht der Fläche unter der Dichtefunktion zwischen den Grenzen a und b:

$$P(a\leq X\leq b)= \int_{a}^{b} f(x)\cdot dx = F(b)-F(a)$$


Hinweis:

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass $X$ einen bestimmten Wert $a$ annimmt ist 0 da:

$$P(a\leq X\leq a)= \int_{a}^{a} f(x)\cdot dx = F(a)-F(a)=0$$

  • $P(X\leq a)=P(X<a)$ Begründung: $ P(X\leq a)=P(X<a)+P(X=a)$ und da $P(X=a)=0$ ist, folgt die Behauptung.
Verteilungsfkt gif.gif
  • $P(a\leq X\leq b)=P(X\leq b)-P(X\leq a)$, wie aus der rechten Skizze leicht zu sehen ist.








Erwartungswert und Standardabweichung

Definition
Grün rufezeichen.png
Für stetige ZV sind Erwartungswert $\mu$ und Standardabweichung $\sigma$ wie folgt definiert:

$$E(x)=\mu=\int_{-\infty}^{+\infty} x\cdot f(x)\cdot dx$$ $$\sigma =\sqrt{\int_{-\infty}^{+\infty} (x-\mu)^2 f(x)\cdot dx}$$


Bsp.png

Berechnen Sie Erwartungswert und Standardabweichung der folgenden zwei Dichtefunktionen. Erklären Sie die Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede bei $\mu$ und $\sigma$:

1. Dichtefunktion 2. Dichtefunktion
Dichtefkt 1.png
Dichtefkt 2.png

1. Dichtefunktion 2. Dichtefunktion
$\mu$ $$\mu=\int_{-\infty}^{\infty} x\cdot f(x)\cdot dx=\int_{0}^{4} \frac{1}{4}x=\frac{1}{4}\cdot \frac{x^2}{2}\vert _{0}^{4}=2$$

$$\mu = 2$$

$$\mu=\int_{-\infty}^{\infty} f(x)\cdot dx=\int_{0}^{2} \underbrace{x \cdot \frac{1}{4}x}_{-\frac{1}{4}x^2}+\int_{2}^{4} \underbrace{x\cdot (-\frac{1}{4}x+1)}_{ -\frac{1}{4}x^2+x}=$$

$$=\frac{1}{4}\cdot\frac{x^3}{3}\vert_{0}^{2} +[-\frac{1}{4}\cdot\frac{x^3}{3}+\frac{x^2}{2}]_{2}^{4}=$$ $$=\frac{1}{4}\cdot\frac{2^3}{3}-0 +\left[-\frac{1}{4}\cdot\frac{4^3}{3}+\frac{4^2}{2}-(-\frac{1}{4}\cdot\frac{2^3}{3}+\frac{2^2}{2})\right]=$$ $$=\frac{2}{3}+\left[-\frac{16}{3}+8-(-\frac{2}{3}+2)\right]=2$$

$\sigma$ $$\sigma=\sqrt{\int_{-\infty}^{\infty} (x-\mu )^2 \cdot f(x)\cdot dx}=$$

$$=\sqrt{\int_{0}^{4} \underbrace{(x-2)^2}_{x^2-4x+4}\cdot \frac{1}{4}\cdot dx }=$$ $$=\sqrt { \frac{1}{4} \left( \frac{x^3}{3} - \frac{4x^2}{2}+4x \right) \vert_{0}^{4} }=$$ $$=\sqrt{\frac{1}{4}\cdot (\frac{4^3}{3}-\frac{4^3}{2}+16)}=\frac{2}{\sqrt{3}}\approx 1.15$$

$$\sigma=\sqrt{\int_{-\infty}^{\infty} (x-\mu )^2 \cdot f(x)\cdot dx}$$

$$=\sqrt{\int_{0}^{2}(x-2)^2\cdot \frac{1}{4}\cdot x + \int_{2}^{4}(x-2)^2\cdot (-\frac{1}{4}\cdot x+1)}=...$$ $$\sigma=\frac{\sqrt{6}}{3}\approx 0.82$$

Graph
1. Dichtefunktion. Eingezeichnet ist der Erwartungswert $\mu$ und die sogenannte $\sigma-$Umgebung.
1. Dichtefunktion. Eingezeichnet ist der Erwartungswert $\mu$ und die sogenannte $\sigma-$Umgebung.

Wichtig: Während beide Zufallsvariablen über denselben Erwartungswert verfügen ($\mu=2$), unterscheiden sie sich in ihrer Standardabweichung. Die Zufallsvariable mit der Dichtefunktion 1 weist eine höhere Streuung auf als jene Zufallsvariable mit Dichtefunktion 2.






Eine der wichtigsten stetigen Verteilungsfunktionen ist die

Normalverteilung

Einleitung

Dichtefunktion einer $N(\mu ;\sigma )-$verteilten Zufallsvariable.
Definition
Grün rufezeichen.png
Eine stetige Zufallsvariable ist normalverteilt mit Erwartungswert $\mu$ und Standardabweichung $\sigma$ (kurz: $N(\mu ;\sigma)$-verteilt), wenn für die Dichtefunktion $f$ gilt:

$$ f(x)=\frac{1}{\sqrt{2\pi}\cdot \sigma}\cdot e^{\frac{1}{2}\cdot (\frac{x-\mu}{\sigma})^2}$$


Die Dichtefunktion der Normalverteilung wird aufgrund ihrer Form „Gaußschen Glockenkurve“ genannt.


Dichtefkt-mit m und s.png

Eigenschaften des Graphen der Dichtefunktion :

  • Die Glockenkurve ist symmetrisch zum Erwartungswert $\mu$, bei dem Sie auch ihren einzigen Hochpunkt hat.
  • Die beiden Wendepunkte der Glockenkurve befinden sich bei $\mu -\sigma$ und $\mu +\sigma$
  • Im Intervall $[\mu -\sigma ; \mu -\sigma]$ befinden sich ca. 68 % aller Werte.
  • Die Glockenkurve nähert sich asymptotisch der x-Achse an und es gilt

$$\lim_{x\rightarrow \pm \infty} f(x) =0$$

  • Die Dichtefunktion erfüllt alle wichtigen Eigensachften einer Dichtefunktion:
$f(x)\geq 0 $ und
$\int_{-\infty}^{+\infty} f(x)\cdot dx=1$ (d.h. die Fläche unterhalb der Dichtefunktion ist 1).


Die Normalverteilung ist deshalb so wichtig, da es in der Natur und im Alltag sehr viele Zuvallsvariablen gibt, die eine solche Verteilung aufweisen und somit eine Dichtefunktion besitzen, deren Graph glockenförmig ist.


Merke
Rotes rufezeichen.png
Die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten erfolgt über die Berechnung der Fläche unterhalb der Dichtefunktion.

Für die Verteilungsfunktion $F$ gilt wieder: $$F(x)=P(X\leq x)=$\int_{-\infty}^{x} \frac{1}{\sqrt{2\pi}\cdot \sigma}\cdot e^{\frac{1}{2}\cdot (\frac{t-\mu}{\sigma})^2}\cdot dt$$

Die Berechnung dieses Integrals erfolgt in der Regel mithilfe des TR/GeoGebras.


Wichtige Überlegungen:

[[Datei:Normal1.png|400px|miniatur|zentriert|$P(X\leq \mu)=0.5]] UNIQ4d061cc3ee0923e0-MathJax-32-QINU [[Datei:Normal2.png|400px|miniatur|zentriert|$P(X\leq b)=F(b)$]] UNIQ4d061cc3ee0923e0-MathJax-33-QINU [[Datei:Normal3.png|400px|miniatur|zentriert|$P(X\geq b)=1-P(X\leq b)=1-F(b)$]] UNIQ4d061cc3ee0923e0-MathJax-34-QINU [[Datei:Normal4.png|400px|miniatur|zentriert|$P(a\leq X\geq b)=P(X\leq b)-P(X\leq a)=F(b)-F(a)$]] UNIQ4d061cc3ee0923e0-MathJax-35-QINU === $\sigma$-Umgebungen ===


Beispiele